Auswirkungen einer jungen Mutterschaft
auf die Berufs- und Erwerbsbiographie
Ein Vergleich von Müttern in Abhängigkeit vom Erstgeburtsalter
anhand des Familiensurvey
Diplomarbeit
Zur Erlangung des akademischen Grades einer Diplom-Soziologin
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
1 Problemstellung
und
Einleitung...
1
2
Stand der empirischen Forschung ... 3
2.1
Teenagermutterschaften in Deutschland ... 3
2.1.1 Statistiken...
3
2.1.2 Forschungsarbeiten
...
5
2.2
Teenagermutterschaften in den USA ... 8
2.2.1 Statistiken...
8
2.2.2 Forschungsarbeiten
...
9
3
Theoretischer Hintergrund und Hypothesen ... 13
3.1
Institutionalisierung des Lebenslaufs ... 13
3.2 Humankapitaltheorie
...
20
3.3
Fertilität und Frauenerwerbstätigkeit in der DDR... 25
4 Datengrundlage
und
Methoden
...
29
4.1 Datenbasis
...
29
4.1.1 Der
Familiensurvey
...
29
4.1.2
Stichprobenbeschreibung ... 30
4.2 Methodisches
Vorgehen
... 32
5 Ergebnisse
...
35
5.1 Teenagermutterschaften
...
35
5.2 Schulabschluss
...
37
5.3 Erwerbsstatus
...
40
5.4 Teilzeitbeschäftigung
... 44
5.5 Stellung
im
Beruf
...
44
5.6 Einkommen
...
47
5.7 Regressionsanalysen
...
49
5.8
Zusammenfassung der Ergebnisse ... 53
Inhaltsverzeichnis
6 Schlussbetrachtung
...
55
6.1 Alternative
Betrachtungen
...
55
6.2
Zusammenfassung und Diskussion ... 58
Literaturverzeichnis ... 62
Anhang ... 70
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Anzahl der Teenagergeburten je 1000 Frauen der Geburtsjahrgänge
1930 - 1989 ... 4
Abbildung 2:
Anzahl der Teenagergeburten je 1000 Frauen der Geburtsjahrgänge
1930 - 1989 in Abhängigkeit von deren Alter ... 5
Abbildung 3:
Anzahl der Lebendgeburten von 15 bis 19-Jährigen der Jahre
1933 - 1998 ... 8
Abbildung 4:
Ursachen und Folgen von Teenagermutterschaften (Ergebnisse aus
bisherigen Forschungsarbeiten) ... 12
Abbildung 5:
Der Humankapitalansatz ... 21
Abbildung 6:
Erwerbsstatus der Teenagermütter und Mütter ... 41
Abbildung 7:
Stellung im Beruf der Teenagermütter und Mütter ... 45
Abbildung 8:
Konsequenzen einer jungen Mutterschaft ... 54
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabellen im Text
Tabelle 1:
Mütter nach dem durchschnittlichen Alter bei Geburt des ersten Kindes
...33
Tabelle 2:
Anzahl der Frauen, Teenagermütter und Mütter nach Kohorten getrennt
...34
Tabelle 3:
Anzahl der Frauen, Teenagermütter und Mütter nach Ost und West
sowie nach Kohorten getrennt ... 36
Tabelle 4:
Höchster Schulabschluss für Teenagermütter und Mütter gesamt und
nach Kohorten getrennt ... 38
Tabelle 5:
Höchster Schulabschluss für Teenagermütter und Mütter getrennt nach
West- und Ostdeutschland ... 39
Tabelle 6:
Erwerbsstatus von Teenagermüttern und Müttern gesamt und nach
Kohorten getrennt (ohne Ausbildung und Sonstige) ... 42
Tabelle 7: Stellung im Beruf der Teenagermütter und Mütter nach West- und
Ostdeutschland getrennt ... 46
Tabelle 8:
Einfluss des Schulabschlusses, des Erwerbsstatus, der Stellung im
Beruf sowie des Einkommens auf das Alter bei der Geburt des ersten
Kindes ... 51
Tabellenverzeichnis
Tabellen im Anhang
Tabelle 9:
Erläuterung der verwendeten Variablen ... 70
Tabelle 10: Einfluss des Schulabschlusses, des Erwerbsstatus, der Stellung im
Beruf sowie des Einkommens auf das Alter bei der Geburt des ersten
Kindes in Abhängigkeit der einzelnen Kohorten ... 71
Tabelle 11: Einfluss des Schulabschlusses, des Erwerbsstatus, der Stellung im
Beruf sowie des Einkommens auf das Alter bei der Geburt des ersten
Kindes in Westdeutschland ... 72
Tabelle 12: Einfluss des Schulabschlusses, des Erwerbsstatus, der Stellung im
Beruf sowie des Einkommens auf das Alter bei der Geburt des ersten
Kindes in Ostdeutschland ...73
1. Problemstellung und Einleitung
1
1
Problemstellung und Einleitung
,,Wenn Kinder Kinder kriegen" Schon dieser Spruch lässt erahnen, dass Frauen,
die in jungen Jahren ein Kind bekommen, schwierigere sozioökonomische
Situationen meistern müssen als Frauen, die später gebären. In Deutschland ist eine
Schwangerschaft bei Minderjährigen mit Vorurteilen behaftet. Medien vermitteln das
Bild einer schulisch und beruflich perspektivlosen jungen Frau, welche ihr Kind als
Ausweg in eine bessere Zukunft betrachtet. Zudem scheint der weitere Lebenslauf
infolge der frühen Geburt vorgezeichnet. Ein schlechter Schulabschluss,
Arbeitslosigkeit sowie Leben von Sozialhilfe werden in den Medien als Folgen der
Mutterschaft angeführt. Aber stimmen diese Vorurteile? Zeigen sich tatsächlich
negative Konsequenzen infolge einer Teenagermutterschaft?
Forschungsarbeiten zur Thematik sind vorwiegend in englischsprachiger Literatur zu
finden. Aufgrund einer hohen Zahl von Teenagermüttern gibt es vor allem in den
USA eine Reihe von Untersuchungen (vgl. u.a. Furstenberg 1976/1990, Hoffmann
u.a. 1993, Fergusson/Woodward 2000). Die Studien liefern meist Ergebnisse zu:
,,Wer wird schwanger und warum?" sowie ,,Folgen einer jungen Mutterschaft". In
Deutschland liegt die Zahl der Teenagergeburten im internationalen Maßstab im
unteren Bereich. Trotz frei zugänglicher Mittel zur Prävention gebaren laut
Statistischem Bundesamt im Jahr 2006 dennoch etwa 10.000 Frauen bis zum
vollendeten 18. Lebensjahr ein Kind. Veröffentlichungen zur Thematik finden sich
hierzulande nur sehr spärlich (vgl. u.a. Bier-Fleiter/Grossmann 1989,
Zierau/Bartmann 1996, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2005). Hierbei
sind vor allem qualitative Untersuchungen ausfindig zu machen, welche mögliche
Einflussfaktoren auf eine junge Mutterschaft sowie die Folgen für den weiteren
Lebenslauf herausarbeiten. Repräsentative Studien auf hypothesentestender Basis
lassen sich jedoch nicht finden.
Um einen Einblick in die bisherigen Forschungsarbeiten aus dem deutsch- und
englischsprachigen Raum zu bekommen, werden im folgenden Kapitel einige
ausgewählte Arbeiten einschließlich eines Überblickes über die Geburtenzahlen von
jungen Müttern in Deutschland und den USA dargestellt.
Im Vordergrund der Diplomarbeit stehen die Konsequenzen einer frühen Geburt
hinsichtlich des späteren schulischen und beruflichen Werdeganges der Mutter. Es
1. Problemstellung und Einleitung
2
wird der Versuch unternommen, auf folgende Frage eine Antwort zu finden: Welche
Auswirkungen ergeben sich durch eine junge Mutterschaft auf die Berufs- und
Erwerbsbiographie? In der Literatur finden sich eine Vielzahl verschiedener
Definitionen zum Begriff Teenagermutterschaft. Für die vorliegende Arbeit wird unter
einer Teenagermutterschaft die Geburt eines Kindes durch eine Frau im Alter
zwischen 13 und 18 Jahren verstanden.
Den theoretischen Rahmen dieser Arbeit bilden im dritten Kapitel die
Institutionalisierung des Lebenslaufs, die Humankapitaltheorie sowie die Darstellung
der Fertilität und des Frauenerwerbs in der ehemaligen DDR. Nach der Vorstellung
der theoretischen Konzepte erfolgt deren Bezug auf die Teenagermütter.
Im Anschluss werden die Untersuchungsstichprobe sowie das methodische
Vorgehen zur Bearbeitung der Thematik beschrieben. Die Grundlage der
Untersuchung ist der Familiensurvey. Aus den im Survey enthaltenen Daten wurde
ein eigener Datensatz erstellt. Bei der Analyse der Auswirkungen einer frühen Geburt
stehen u.a. Informationen zum erreichten Schulabschluss, zum derzeitigen
Arbeitsverhältnis sowie zum Arbeitseinkommen zur Verfügung. Die
Auswertungsergebnisse werden denen einer Vergleichsgruppe gegenübergestellt. In
diesem Fall handelt es sich um eine Gruppe von Frauen, welche ihr erstes Kind im
kohortenspezifischen Durchschnittsalter geboren haben. Um etwa gleiche
strukturelle Rahmenbedingungen zu bilden und somit sicherzustellen, dass Personen
in gleichem Maße von gesellschaftlichen und umweltbedingten Veränderungen
betroffen sind, wurde die Untersuchungsstichprobe in vier Kohorten unterteilt.
Aufgrund der verschiedenen Sozialstruktur der ehemaligen DDR und BRD werden
Unterschiede hinsichtlich der Konsequenzen einer Teenagermutterschaft erwartet.
Demnach erfolgt zusätzlich eine nach beiden Teilen Deutschlands getrennte
Analyse.
Das Kapitel fünf befasst sich als empirischer Teil mit den Ergebnissen der
Untersuchung hinsichtlich der interessierenden Merkmale.
Im letzten Abschnitt wird die Frage betrachtet, inwieweit die in den Analysen
gefundenen Konsequenzen einer Teenagermutterschaft auch durch andere Faktoren
hervorgerufen werden können. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und
einer Diskussion.
2. Stand der empirischen Forschung
3
2 Stand
der
empirischen
Forschung
In der Literatur lassen sich einige Forschungsarbeiten zur Thematik
,,Teenagermutterschaften" finden. Deutlich wird dabei, dass der überwiegende Teil
dieser Analysen aus den USA stammt. In Deutschland existieren kaum umfassende
Darstellungen. Der folgende Abschnitt stellt eine Auswahl der Forschungsarbeiten
und deren Ergebnisse aus Deutschland und den USA vor. Zunächst wird ein Einblick
in die Geburtenzahlen von jungen Müttern gegeben.
2.1
Teenagermutterschaften in Deutschland
2.1.1 Statistiken
Schwangerschaften werden in Deutschland statistisch erfasst. ,,Nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes steigt einerseits das durchschnittliche Alter von Frauen
bei der Geburt des ersten Kindes
1
. Andererseits gibt es einen nicht erheblichen Teil
junger Frauen, die sich noch vor Erreichen der Volljährigkeit für ein Kind
entscheiden" (vgl. BZgA 2005: 17). Statistisch gesehen sind Schwangerschaften
junger Frauen in Deutschland ein seltenes Ereignis. Bei einem internationalen
Vergleich
2
der Anzahl von Teenagergeburten befindet sich Deutschland im unteren
Bereich.
1
Waren in Westdeutschland Mitte der 70er Jahre die Frauen bei ihrer Erstgeburt noch
durchschnittlich 25 Jahre, stieg dieses Alter in den folgenden Jahren kontinuierlich an und lag im Jahr
2000 bei 29 Jahren. In Ostdeutschland waren die Mütter deutlich jünger. 1975 betrug das
durchschnittliche Erstgeburtsalter 21,8 Jahre. Nach der Wiedervereinigung kam es zu einer
Angleichung des generativen Verhaltens an Westdeutschland. Im Jahr 2006 betrug das
Durchschnittsalter der Frauen bei der ersten Geburt in Deutschland 29,7 Jahre (vgl. Statistisches
Bundesamt 2007).
2
Vor allem in den Entwicklungsländern ist eine sehr hohe Zahl von Teenagergeburten zu
verzeichnen. Das Land Niger weist mit 233 Geburten je 1000 Frauen die höchste
Teenagergeburtenrate auf. Im Mittelfeld befinden sich die Vereinigten Staaten mit 53 Geburten je
1000 Frauen. In den meisten europäischen Ländern liegt die Mutterschaftsrate Minderjähriger sehr
niedrig. Deutschland zählt mit 11 Teenagergeburten zu den unteren Rängen
(URL: http://globalis.gvu.unu.edu/indicator.cfm?IndicatorID=127 ).
2. Stand der empirischen Forschung
4
In den Medien wird jedoch immer wieder sensationsbetont über Schwangerschaften
16-Jähriger und noch jüngerer Mädchen berichtet. Solche Darstellungen vermitteln
den Eindruck, frühe Schwangerschaften seien ein neues und zunehmendes
Problem. Bei einer Analyse der altersspezifischen Geburtenziffern für die
Geburtsjahrgänge 1930 bis 1989 zeigt sich in der Abbildung 1, dass es junge Mütter
schon immer gegeben hat. Teenagermutterschaften sind somit kein neues
gesellschaftliches Phänomen.
Abbildung 1: Anzahl
der
Teenagergeburten
3
je 1000 Frauen
der Geburtsjahrgänge 1930 - 1989
Quelle: Statistisches Jahrbuch, eigene Darstellung
Bereits 42 von 1000 Frauen des Geburtsjahrganges 1930 gebaren als Jugendliche
ihr erstes Kind. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Teenagergeburten stetig
an. Der Höhepunkt dieser Entwicklung, der sogenannte ,,Babyboom" war 1971
erreicht. In diesem Jahr haben 91 von 1000 Frauen des Geburtsjahrganges 1953 als
Teenager ein Kind entbunden. Für die darauffolgenden 15 Jahre war eine
kontinuierliche Abnahme (,,Pillenknick") der Lebendgeburten von jungen Müttern zu
verzeichnen. Zwischen 1986 und 1991 konnte ein erneuter Anstieg beobachtet
werden. Nach einem leichten Abfall der Teenagergeburten der Geburtsjahrgänge
3
Erfasst wurden nur die 15 bis 18-jährigen Teenagermütter.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
1925
1930
1935
1940
1945
1950
1955
1960
1965
1970
1975
1980
1985
1990
T
eenagergeburten
je
1000 Frauen
Geburtsjahrgang
2. Stand der empirischen Forschung
5
1974 bis 1977 blieb die Zahl seit 1995 mit etwa 25 Lebendgeburten je 1000 Frauen
konstant. Seit 2004 sinken die Geburten Minderjähriger aufs Neue.
Im Jahr 2006 gab es in Deutschland etwa 670.000 Lebendgeburten. Davon können
9390 als Teenagergeburten aufgefasst werden (vgl. Statistisches Bundesamt 2007).
Erwartungsgemäß werden vor allem die älteren Teenager schwanger. Aus der
Abbildung 2 ist zu entnehmen, dass die Zahl der Geburten mit dem Alter der Mütter
steigt. Die 15-Jährigen bekamen über alle Geburtsjahrgänge hinweg im Durchschnitt
0,5 Kinder. Bei den 18-Jährigen lag die Zahl in Spitzenzeiten bei 60 Kindern.
Abbildung 2:
Anzahl der Teenagergeburten je 1000 Frauen der
Geburtsjahrgänge 1930 - 1989 in Abhängigkeit von deren Alter
Quelle: Statistisches Jahrbuch, eigene Darstellung
2.1.2 Forschungsarbeiten
In Deutschland sind bisher wenige sozialwissenschaftliche Arbeiten zum Thema
,,junge Mütter" veröffentlicht worden. In der Literatur konnten nur qualitative Studien
ausfindig gemacht werden. Herausgearbeitet wurden dabei u.a. Einflussfaktoren auf
eine junge Mutterschaft sowie die Folgen für das weitere Leben.
0
10
20
30
40
50
60
70
1925
1930
1935
1940
1945
1950
1955
1960
1965
1970
1975
1980
1985
1990
T
eenagergeburten
je
1000 Frauen
Geburtsjahrgang
15 Jahre
16 Jahre
17 Jahre
18 Jahre
2. Stand der empirischen Forschung
6
Seit Juni 2005 fördert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Studie
,,Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbrüche bei minderjährigen Frauen"
4
.
Die nicht-repräsentative Studie konnte u.a. klären, dass das Risiko minderjährig
schwanger zu werden bei Hauptschülerinnen fünfmal so hoch war wie bei
Gymnasiastinnen. Zudem neigte eine Jugendliche eher zu einer Teenagergeburt,
wenn die eigene Mutter selbst minderjährig ein Kind gebar. Die Untersuchung zeigte
weiterhin, dass 92% der Frauen ungewollt schwanger wurden. Zusätzlich versuchte
die Studie, auf die beruflichen Perspektiven der jungen Mütter einzugehen. Ein
Großteil der Teenagermütter, die in einer Partnerschaft lebten, nahmen nach der
Unterbrechung ihre Schul- oder Berufsausbildung wieder auf. Ein Viertel der
Befragten gelang es nicht, ihre Berufsziele zu verwirklichen. Mit dem ,,Beruf" Mutter
und Hausfrau fühlte sich ein kleiner Teil wohl und strebte somit keine weitere
Erwerbstätigkeit an. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine junge
Mutterschaft mit ausreichender Unterstützung meisterbar ist und somit schulische
und berufliche Ziele weiterverfolgt werden können. Dennoch zeigt sich, dass
Teenagermütter diversen Risiken wie geringeren Ausbildungschancen, geringeren
Chancen auf dem Arbeitsmarkt sowie Armut ausgesetzt sind (vgl. Friedrich/
Remberg 2005).
Das Entstehen einer unsicheren finanziellen Lebenssituation war auch das Ergebnis
bei einer Untersuchung von Bier-Fleiter und Grossmann (1989)
5
. Das Kind wurde als
Chance im Leben gesehen, die jedoch nicht umgesetzt werden konnte. Die jungen
Frauen waren entweder von Sozialhilfe oder vom Einkommen des Partners
abhängig.
4
Durchgeführt wurde die Studie im Zeitraum Juni 2005 bis August 2007 von der pro-familia in
Zusammenarbeit mit dem Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie der Universität
Hamburg. Im Mittelpunkt der Befragung standen junge Mütter. In der ersten Teilstudie erfolgten
Interviews mit 1801 schwangeren Mädchen unter 18 Jahren. Von Interesse waren hierbei vor allem
der soziale Hintergrund sowie die partnerschaftliche Situation. In der zweiten Teilstudie befragten die
Beraterinnen 62 junge Frauen zwei bis drei Monate nach einem Schwangerschaftsabbruch. Von Mai
bis August 2007 wurde die erste Teilstudie mit Klientinnen des Diakonischen Werkes wiederholt.
5
Es handelt sich um eine Längsschnittuntersuchung von sozial benachteiligten Müttern, die
während ihrer Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes in einem Mutter-Kind-Heim lebten.
Die erste Befragung fand während der Schwangerschaft mit 17 jungen Müttern statt. 13 Mütter
wurden sechs Jahre später erneut interviewt.
2. Stand der empirischen Forschung
7
Von Zierau und Bartmann (1996)
6
stammt eine Studie zur Recherche der
Vereinbarkeit von Berufsausbildung und früher Mutterschaft. Dabei stellten sie fest,
dass 40% der jungen Frauen während der Schwangerschaft bzw. nach der Geburt
des Kindes ihre Ausbildung abbrachen. Besuchten die Mütter eine Fachschule oder
Berufsfachschule beendeten mit etwa 97% weitaus mehr ihre Ausbildung.
Des Weiteren lassen sich in der deutschen Literatur Forschungsarbeiten finden,
welche sich nicht speziell auf Teenagermütter, sondern auf junge Mütter
7
im
Allgemeinen beziehen. Hierbei können Angaben zu Frauen, die bei der Geburt ihres
ersten Kindes unter 19 Jahren waren, abgeleitet werden. Zink (1993)
8
zeigt in ihrer
Untersuchung über junge Frauen im Alter von 19 bis 33 Jahren mit niedrigen
Bildungsabschlüssen, dass trotz des hohen Stellenwertes die Mehrheit der Mütter
ihre Ausbildung abbrach. Die Schwangerschaft betrachteten viele junge Frauen als
Möglichkeit, einen neuen Lebensweg zu beschreiten. Jedoch zeigte sich, dass die
Situation nach der Geburt die gleiche blieb wie zuvor. Die Frauen arbeiteten in un-
und angelernten Berufen und waren von Sozialhilfe bzw. vom Einkommen des
Partners abhängig.
Bei allen bisher vorgestellten Studien handelt es sich um qualitative Befragungen.
Aufgrund der fehlenden Repräsentativität lassen sich keine allgemeingültigen
Aussagen zu den Konsequenzen einer Teenagermutterschaft auf die Erwerbs- und
Berufsbiographie treffen. Infolge der qualitativen Befragungen können jedoch
geringere Bildungschancen, geringere Chancen auf dem Arbeitmarkt sowie eine
größere Wahrscheinlichkeit für ein Leben in Armut als mögliche Folgen ausgemacht
werden. Um weitere Erkenntnisse zur Thematik der jungen Mütter zu erlangen,
werden im folgenden Abschnitt nach der zahlenmäßigen Darstellung der
Teenagermutterschaften in den USA, ausgewählte amerikanische
Forschungsarbeiten herangezogen.
6
Die qualitative Befragung wurde mit Lehrkräften an berufsbildenden Schulen sowie
Expertengesprächen in Mutter-Kind-Heimen und Pädagogen durchgeführt.
7
Das Alter einer jungen Mutter ist nicht begrenzt auf das Jugendalter bis 19 Jahre. So lassen
sich in Untersuchungen unterschiedliche Altersgrenzen für junge Mütter finden.
8
Die Untersuchung fand im Rahmen eines Bundesjugend-Modellprogramms statt. Die
interviewten Frauen suchten über die Jugendberufshilfe einen neuen Einstieg ins Berufsleben. Im
Mittelpunkt der Studie von Zink standen nur die erwerbslosen Mütter. Zink analysierte 29 junge Mütter
hinsichtlich ihrer Erwerbsverläufe und Lebenssituation.
2. Stand der empirischen Forschung
8
2.2 Teenagermutterschaften in den USA
2.2.1 Statistiken
Im Jahr 1915 begann die amerikanische Regierung erstmals Zahlen zu
Teenagergeburten bekannt zu machen (vgl. Furstenberg Jr. 1976: 6). Ab diesem
Zeitpunkt sind Aussagen über die Entwicklung sowie die Anzahl von Geburten
minderjähriger Frauen möglich. Jedes Jahr werden etwa 750.000 Frauen zwischen
15 und 19 Jahren in den USA schwanger (vgl. Guttmacher Institute 2006).
Abbildung 3:
Anzahl der Lebendgeburten von 15 bis 19-Jährigen
der Jahre 1933 - 1998
Quelle: National Center for Health Statistics, eigene Darstellung
Die Entwicklung der Anzahl von Teenagergeburten ist in Abbildung 3 dargestellt.
1933 gebaren rund 251.000 junge Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ein Kind. In
den folgenden Jahren stieg die Zahl stetig an. Aufgrund der Folgen des Zweiten
Weltkrieges kam es zwischen 1944 und 1945 zu einem Einbruch dieses Trends. Mit
dem Jahr 1946 nahm die Zahl der Geburten von jungen Müttern weiter zu und
erreichte 1970 mit 644.708 Teenagergeburten ihren Höhepunkt (,,Babyboom"). In den
kommenden 16 Jahren war ein Rückgang mit Ausnahme des Zeitraumes 1987 bis
1990 zu verzeichnen. 1998 brachten 484.895 Teenager ein Kind zur Welt.
240.000
290.000
340.000
390.000
440.000
490.000
540.000
590.000
640.000
690.000
1930
1940
1950
1960
1970
1980
1990
2000
A
n
z
a
hl
der
Lebendgeburten
Jahr
2. Stand der empirischen Forschung
9
Bei der Betrachtung des Geburtenanteils von jugendlichen Müttern an allen Geburten
wurde 1973 mit 19,7% der höchste Wert erreicht. Im Jahr 1998 sank der Wert auf
12%.
2.2.2 Forschungsarbeiten
Im Jahr 1960 begann die Regierung erstmals, Notiz von den sozialen und
ökonomischen Problemen der Teenagermütter zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt
entstanden auch erste Publikationen zur Thematik junger Mütter (vgl. Furstenberg Jr.
1976: 11). Seit 1970 sind zahlreiche empirische Veröffentlichungen erschienen.
Bei der Mehrzahl der Studien steht die Frage nach den Konsequenzen einer
Teenagermutterschaft im Vordergrund. Eine geringe Rate der Schulvollendung sowie
ein unregelmäßiger Erwerbsverlauf können Folgen einer jungen Mutterschaft sein
(vgl. Hayes 1987). Darüber hinaus leben die Teenagermütter zu einem größeren
Anteil von Sozialhilfe (vgl. Maynard 1995: 314). Eine Untersuchung zu den
Auswirkungen einer minderjährigen Mutterschaft stammt von Phoenix (1991)
9
. Zwei
Jahre nach der Geburt des Kindes lebten die jungen Mütter zumeist in Armut. 74%
der untersuchten Frauen waren ohne Arbeit, die meisten von Ihnen empfanden eine
Kombination von Arbeit und Mutterschaft als überlastend. Nur 8% verfolgten ihren
Bildungsweg weiter.
Ein Großteil der Studien bezieht sich auf Vergleiche zwischen Teenagermüttern und
kinderlosen Mädchen. Hoffman u.a. (1993) verglichen in einer Untersuchung
Teenagermütter mit deren Schwestern
10
. Somit konnten sozioökonomische Effekte
9
Die Daten beruhen auf einer 1984 begonnen Studie, bei der junge Frauen interviewt wurden,
welche ihr erstes Kind zwischen 16 und 19 Jahren bekommen hatten. Die Mütter wurden während der
Schwangerschaft, sechs sowie 21 Monate nach der Geburt befragt. 79 Interviews konnten zu Beginn
der Untersuchung realisiert werden. Nach zwei Jahren befanden sich noch 68 Frauen in der Studie.
10
Die Daten stammen aus dem Panel Study of Income Dynamics. Untersucht wurden 428
Geschwisterpaare, welche 1987 zwischen 21 und 33 Jahren alt waren. Von Bedeutung sind hierbei 82
Geschwisterpaare, wobei eine Schwester als Teenager und die andere als Nicht-Teenager ihr Kind
gebar. Außerdem wurden weitere 56 Geschwisterpaare in die Studie mit aufgenommen, bei denen die
eine Schwester eine Teenagermutter war und die andere Schwester kinderlos blieb (vgl. Hoffman u.a.
1993: 4).
2. Stand der empirischen Forschung
10
ausgeschlossen werden. Festgestellt wurde u.a.: ,,Nonteen mothers are more likely
than teen mothers to finish high school and attend college, (...)"
(Hoffman u.a. 1993: 4). Des Weiteren besaßen die Nicht-Teenagermütter einen
höheren ökonomischen Status und lebten weniger in Armut. Die Autoren kamen
jedoch auch zu dem Schluss, dass die negativen Folgen geringer waren, als in
bisherigen Studien beschrieben.
Fergusson und Woodward (2000) geben zwei mögliche Erklärungen für den
Zusammenhang zwischen einer Teenagermutterschaft und der schlechteren
sozioökonomische Stellung an. Zum einen ist eine direkte Beziehung zwischen
beiden Elementen denkbar. Die junge Mutterschaft hat Einfluss auf die schulische
Entwicklung und somit auf die spätere Bildung und Arbeitsmöglichkeiten. Zum
anderen kann eine indirekte Verbindung zwischen der Teenagermutterschaft und
den späteren Folgen hergestellt werden. Schwangerschaft minderjähriger Mütter
sowie eine schlechte schulische und berufliche Laufbahn können Konsequenzen
sozialer, familiärer und persönlicher Faktoren sein. Ein Vergleich von
Teenagermüttern und Frauen, welche mit 18 Jahren noch kein Kind hatten
11
, zeigt,
dass die negativen Effekte einer Teenagermutterschaft bei Kontrolle des Status
weniger stark ausgeprägt waren. Die negativen Folgen auf die sozioökonomische
Stellung waren somit keine primären Folgen der jungen Mutterschaft, sondern
konnten auch durch andere Faktoren hervorgerufen werden. Dennoch waren infolge
der Geburt des Kindes Effekte wie z.B. ein schlechterer Schulabschluss aufgetreten.
Ein Beispiel für eine Längsschnittuntersuchung, welche sich mit den langfristigen
Folgen einer Geburt im minderjährigen Alter beschäftigt, stellt die Baltimore-Studie
12
dar. Die jungen Mütter wiesen kurzfristige Handicaps infolge der Geburt ihres ersten
Kindes auf. Über einen größeren Zeitraum betrachtet, schaffte es der größte Teil der
11
Fergusson
und
Woodward
arbeiteten
mit
Daten der Christchurch Health and Developmend
Längsschnittstudie. Analysiert wurden 520 junge Frauen, von denen Daten über die kompletten 21
Jahre vorhanden waren. 42 der untersuchten Personen bekamen als Teenager ein Kind (vgl.
Fergusson/Woodward 2000).
12
Im Jahr 1966 befragte Furstenberg in Baltimore 421 vorwiegend schwarze Frauen, welche ihr
erstes Kind unter 18 Jahren bekamen. In den folgenden 20 Jahren fanden fünf Wiederholungen dieser
Befragung statt. Somit entwickelte sich die Baltimore-Studie zur größten Längsschnittstudie in
Amerika. Ab dem Jahr 1971 wurden auch die Kinder der Teenagermütter mit interviewt. Bei der
letzten Befragung 1988 befanden sich noch 253 Baltimore-Frauen in der Untersuchung (vgl.
Furstenberg Jr. u.a. 1990).
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